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Sonstiges   Vogelsberg

Wenn junge Vögel fliegen lernen – und ihr Nest niemals vergessen

Gedanken zur Wechselliste vor dem Saisonstart 2026/27 im Tischtenniskreis Vogelsberg

Noch ist der erste Aufschlag der neuen Saison nicht gespielt. Die Hallen füllen sich langsam wieder, die Mannschaften finden zusammen, Schläger werden aus den Taschen geholt und überall im Vogelsberg wächst die Vorfreude auf die Spielzeit 2026/27.

Und wie in jedem Sommer gibt es vor dem Saisonstart eine Liste, auf die viele Tischtennisspieler besonders neugierig schauen:

die Wechselliste.

Wer kommt? Wer geht? Wer verstärkt eine Mannschaft? Welcher bekannte Name taucht plötzlich bei einem anderen Verein auf?

Auf dem Papier ist das schnell erzählt. Ein Name, ein bisheriger Verein, ein neuer Verein.

Doch hinter diesen wenigen Worten stehen manchmal viele Jahre.

Gerade bei unseren Kindern und Jugendlichen.

Denn vielleicht ist ein Vereinswechsel bei einem jungen Menschen viel mehr als nur ein Wechsel des Trikots.

Vielleicht ist es ein wenig wie bei jungen Vögeln.

Und weil solche Wege nur selten an einem einzigen Stichtag beginnen oder enden, lohnt sich diesmal auch ein kleiner Blick zurück. Neben den Veränderungen vor der Saison 2026/27 erzählen auch Wechsel aus dem Sommer 2025 Geschichten, die bis heute weiterwirken.

Gerade dort wird sichtbar, dass eine Wechselliste viel mehr sein kann als eine Ansammlung von Namen. Manche Spieler gehen hinaus, manche kommen neu hinzu, manche teilen ihre Spielberechtigungen auf verschiedene Vereine auf – und manche finden nach einigen Jahren tatsächlich wieder zurück.

So entsteht aus zwei Wechselperioden ein Bild, das viel besser zu unserem Vogelsberger Tischtennis passt: Wege verändern sich, Trikots wechseln – aber Verbindungen bleiben.

Am Anfang ist das Nest die ganze Welt

Wenn ein junger Vogel aus dem Ei schlüpft, kennt er zunächst nur sein Nest.

Dort ist er zuhause. Dort wird er umsorgt. Dort wächst er. Dort macht er irgendwann seine ersten unbeholfenen Versuche, bis aus kleinen Flügelschlägen langsam etwas wird, das ihn eines Tages tragen kann.

Ganz ähnlich beginnt für viele Kinder die Reise im Tischtennis.

Irgendwo in einer unserer Sporthallen im Vogelsberg steht ein Kind zum ersten Mal an einer Tischtennisplatte.

Vielleicht trifft es den Ball anfangs kaum.

Vielleicht fliegt der erste Aufschlag unter dem Tisch hindurch.

Vielleicht wird mehr gelacht als Tischtennis gespielt.

Doch dann steht da jemand.

Ein Jugendtrainer, eine Jugendtrainerin, ein Betreuer, ein Vater oder eine Mutter, ein älterer Mannschaftsspieler oder einfach ein Mensch aus dem Verein, der sagt:

„Komm, probier es noch einmal.“

Und irgendwann klappt es.

Aus dem ersten Ball werden zehn. Aus zehn werden hundert.

Aus einem Kind, das einfach nur Spaß mit einem kleinen weißen Ball hatte, wird irgendwann ein Nachwuchsspieler.

Und aus einem Verein wird ein Stück Zuhause.

Niemand lernt das Fliegen allein

Hinter einem guten Nachwuchsspieler stehen deshalb fast immer viele Menschen.

Trainer, die Woche für Woche in der Halle stehen.

Eltern, die ihre Kinder zu Punktspielen, Turnieren und Ranglisten fahren.

Betreuer, die nach einer Niederlage trösten.

Mannschaftskameraden, die gemeinsam jubeln.

Vereinsmitglieder, die Hallenzeiten organisieren, Trikots besorgen, Tische aufbauen oder einfach dafür sorgen, dass Kinder sich willkommen fühlen.

Viele dieser Stunden tauchen später in keiner Statistik auf.

Und doch sind genau sie es, die einen jungen Menschen prägen.

Darum gehört der Erfolg eines Nachwuchsspielers niemals ihm allein.

Ein kleines Stück davon gehört immer auch den Menschen, die ihm geholfen haben, seine Flügel auszubreiten.

Und irgendwann wird das Nest ein bisschen zu klein

Dann kommt bei manchen jungen Spielern irgendwann dieser besondere Moment.

Nicht, weil das Nest schlecht geworden wäre.

Nicht, weil man sich dort nicht mehr wohlfühlt.

Sondern weil die Flügel größer geworden sind.

Vielleicht braucht es stärkere Trainingspartner.

Vielleicht wartet eine höhere Spielklasse.

Vielleicht gibt es die Möglichkeit, zusätzlich bei den Erwachsenen zu spielen.

Vielleicht eröffnet ein anderer Verein genau die sportliche Herausforderung, die ein junger Mensch in diesem Augenblick braucht.

Und dann beginnt für einen Heimatverein vielleicht eine der schwierigsten Aufgaben guter Nachwuchsarbeit:

loslassen können.

Denn natürlich möchte jeder Verein seine besten Nachwuchsspieler behalten.

Man hat sie schließlich begleitet. Man kennt ihre Stärken und Schwächen. Man hat mit ihnen Siege gefeiert und Niederlagen erlebt.

Und trotzdem sollte irgendwann nicht die Frage im Mittelpunkt stehen:

„Wie können wir verhindern, dass er geht?“

Sondern:

„Was ist jetzt das Beste für diesen jungen Menschen?“

Quentin und Justus – wenn die ersten Flügelschläge weiter tragen

Wie fließend dieser Weg sein kann, zeigen derzeit zwei junge Spieler aus Schotten besonders schön:

Quentin Oberrecht und Justus Theo Sorger.

Beide standen noch Anfang Februar bei der Kreisrangliste in Lauterbach für den TGV 1859 Schotten an den Tischen.

Quentin gewann dort die Jugend 19 mit fünf Siegen aus fünf Spielen und gab im gesamten Wettbewerb lediglich einen Satz ab. Justus schaffte ebenfalls den Sprung in die Endrunde und gehörte damit zu den sechs besten Spielern dieser Konkurrenz.

Doch ihre ersten Flügelschläge über das gewohnte Umfeld hinaus hatten beide zu diesem Zeitpunkt längst gemacht.

Neben ihren Einsätzen und Turnieren im Nachwuchsbereich sammelten sie bereits Erfahrungen im Erwachsenenbereich beim TV 1920 Eichelsdorf.

Andere Gegner.

Andere Spielweisen.

Erwachsene Spieler, die seit vielen Jahren am Tisch stehen.

Neue Hallen, neue Mannschaftskameraden und neue Erfahrungen.

Und gerade deshalb ist ihre Geschichte keine Geschichte davon, dass zwei junge Spieler einfach „weggehen“.

Sie ist vielmehr eine Geschichte darüber, dass Entwicklung manchmal mehrere Orte braucht.

Das Nest bleibt wichtig.

Aber irgendwann muss ein junger Vogel auch erfahren dürfen, wie sich die Luft außerhalb des Nestes anfühlt.

Was vorher entstanden ist, darf einen Verein stolz machen

Gerade Quentin hatte mit dem TGV Schotten eine bemerkenswerte vergangene Saison in der Jugend 19.

In der Bezirksoberliga belegte das Schottener Team mit starken 28:4 Punkten den zweiten Tabellenplatz.

Gemeinsam mit Leonard Kamphausen bildete Quentin zudem ein Doppel, das mit 9:2 Siegen die meisten Doppelerfolge der gesamten Liga sammelte.

Das sind Zahlen.

Doch hinter ihnen steckt viel mehr.

Training.

Geduld.

Entwicklung.

Vertrauen.

Und viele Stunden gemeinsamer Arbeit.

Wenn junge Spieler irgendwann bereit sind, sich neuen Herausforderungen zu stellen, sollte ihr Heimatverein deshalb nicht nur den Spieler sehen, der vielleicht an anderer Stelle gebraucht wird.

Er darf auch mit Stolz zurückblicken und sagen:

„Bei uns hat ein Teil dieses Weges begonnen.“

Denn wer heute fliegen kann, hatte irgendwann Menschen, die ihm das Fliegen beigebracht haben.

Celina und Emilia Böshans – wenn eine Spielberechtigung weiterzieht

Ein besonders schönes Beispiel dafür, dass ein Wechsel im Nachwuchs nicht automatisch einen vollständigen Abschied bedeuten muss, liefern Celina und Emilia Böshans.

Beide sind im Vogelsberger Nachwuchs beim SV Viktoria 1921 Nieder-Ofleiden groß geworden. Zur Saison 2025/26 führte ihre Nachwuchsspielberechtigung zum TSV 1907 Allendorf/Lda. – und damit in ein neues sportliches Umfeld mit neuen Gegnerinnen und neuen Entwicklungsmöglichkeiten.

Bei Emilia zeigt sich besonders deutlich, wie wenig eine einzige Vereinsangabe manchmal über die wirkliche Geschichte eines jungen Menschen erzählt. Während sie im Nachwuchs für Allendorf an den Tisch ging, blieb sie im Damenbereich ihrem SV Viktoria Nieder-Ofleiden verbunden und gehörte dort in der Hessenliga zu den festen Kräften.

Eine Spielberechtigung zog also weiter – die Verbindung zum Heimatverein blieb.

Genau solche Wege sollten wir nicht als Verlust betrachten. Sie zeigen vielmehr, wie Vereine gemeinsam dazu beitragen können, dass junge Spielerinnen genau dort gefordert werden, wo es für ihre Entwicklung sinnvoll ist.

Und auch Lilly Hofmann steht für dieses Modell. Im Nachwuchs trug sie das Trikot des TGV 1859 Schotten, während sie zugleich im Damenbereich beim TV 1920 Eichelsdorf Erfahrungen gegen erwachsene Gegnerinnen sammeln konnte.

Drei junge Spielerinnen, verschiedene Wege – und doch dieselbe Botschaft:

Manchmal müssen nicht alle Flügel in dieselbe Richtung schlagen, damit ein junger Mensch seinen Weg findet.

Emil Hintze – wenn die Reise noch ein Stück weiterführt

Bei manchen Spielern führt der Weg irgendwann tatsächlich über die Grenzen unseres Tischtenniskreises hinaus.

Emil Hintze ist dafür in diesem Sommer ein schönes Beispiel.

Er wechselt vom TTC Eudorf/Altenburg zur TG Würzburg von 1848.

Sein Name ist im Vogelsberger Nachwuchs keineswegs unbekannt.

Schon vor Jahren stand Emil bei unseren Nachwuchsturnieren an den Tischen. Bei der Kreisrangliste 2020 erreichte er beispielsweise die Endrunde der damaligen Jungen 18.

Nun führt ihn sein sportlicher Weg hinaus aus Hessen nach Bayern.

Von Eudorf und Altenburg nach Würzburg.

Ein Stück weiter hinaus in die Tischtenniswelt.

Und vielleicht darf gerade sein bisheriger Verein bei einem solchen Wechsel neben aller Wehmut auch etwas anderes empfinden:

Stolz.

Denn der Name des Vereins, in dem ein Spieler groß geworden ist, reist auf eine gewisse Weise immer mit.

Menschen in Würzburg werden Emil als Spieler kennenlernen.

Wir im Vogelsberg kennen aber auch einen Teil der Geschichte davor.

Und genau dieser Teil gehört zu seiner Reise.

Auch Hendrik Bräutigam zieht es hinaus

Nicht nur beim Nachwuchs verändern sich Wege.

Mit Hendrik Bräutigam verlässt auch ein bekanntes Gesicht des TTV 1979 Heimertshausen den Vogelsberg.

Sein Weg führt zum TSV Neubiberg-Ottobrunn nach Bayern.

Auch das gehört zu unserem Sport und zu unserem Leben.

Ausbildung, Studium, Beruf, Familie, ein Umzug oder einfach der Wunsch nach einer neuen sportlichen Herausforderung können dazu führen, dass Menschen ihre vertraute Umgebung verlassen.

Auf der Wechselliste steht dann nur eine Zeile.

Doch Freundschaften, gemeinsame Spiele und Erinnerungen passen in keine Zeile einer Wechselliste.

Sie bleiben.

Tobias Leitsch – wenn jemand bei uns ein neues Nest findet

Eine Wechselliste erzählt aber nicht nur von Menschen, die den Vogelsberg verlassen.

Sie erzählt auch von denen, die zu uns kommen.

Zur Saison 2026/27 begrüßt der TGV 1859 Schotten mit Tobias Leitsch ein neues Gesicht. In der vergangenen Spielzeit stand er noch für die TTF 1956 Niederbieber an den Tischen. Nun ist er in Schottens erster Mannschaft in der Bezirksklasse gemeldet.

Damit bekommt das Bild vom Nest noch eine weitere schöne Seite.

Denn während einige Spieler ihre Flügel ausbreiten und hinausziehen, entscheiden sich andere ganz bewusst dafür, im Vogelsberg einen neuen sportlichen Platz zu finden.

Vielleicht entstehen daraus neue Freundschaften, neue Doppel, neue gemeinsame Erinnerungen – und irgendwann fühlt sich auch ein neues Nest ein kleines bisschen wie Zuhause an.

So lebt unser Sport: Menschen gehen, Menschen kommen, Mannschaften verändern sich. Was bleibt, ist die gemeinsame Freude am Tischtennis.

Unser eigentliches Nest könnte viel größer sein

Vielleicht sollten wir bei all diesen Wechseln deshalb noch einen Schritt weiterdenken.

Natürlich hat jeder Spieler seinen Verein.

Und natürlich gibt es Rivalitäten.

Wenn Schotten gegen Angersbach spielt, Heimertshausen auf Büßfeld trifft oder zwei andere Vogelsberger Vereine um wichtige Punkte kämpfen, möchte keiner verlieren.

Das ist gut so.

Das ist Sport.

Aber vielleicht gibt es oberhalb unserer Vereinsfarben noch etwas, das uns alle miteinander verbindet:

den Tischtenniskreis Vogelsberg.

Vielleicht ist nicht nur Schotten ein Nest.

Nicht nur Angersbach.

Nicht nur Heimertshausen, Büßfeld, Eudorf/Altenburg, Mücke, Vogelsberg, Schadenbach, Dirlammen, Altenschlirf oder einer unserer vielen anderen Vereine.

Vielleicht ist der gesamte Vogelsberg ein großes Nest mit vielen kleinen Nestern darin.

Und vielleicht sollten wir genau so auf unsere Jugend schauen.

Dein Trikot kann wechseln – deine Wurzeln nicht

Ein junger Spieler, der von einem Vogelsberger Verein zu einem anderen wechselt, ist unserem Tischtennis nicht verloren gegangen.

Ein Jugendlicher, der zusätzlich außerhalb unseres Kreises Erfahrungen sammelt, ist ebenfalls nicht verloren.

Und selbst ein Spieler, den sein Weg irgendwann nach Würzburg, München, Frankfurt oder noch viel weiter führt, nimmt etwas von hier mit.

Die ersten Trainer.

Die ersten Mannschaftskameraden.

Die erste Halle.

Das erste gewonnene Spiel.

Vielleicht auch die erste bittere Niederlage.

All das gehört zur eigenen Geschichte.

Ein Trikot kann man wechseln.

Die eigenen Wurzeln nicht.

Lieber ein anderes Trikot als gar kein Trikot

Gerade im Nachwuchs sollten wir uns deshalb vielleicht immer wieder an eine einfache Wahrheit erinnern.

Der größte Verlust für einen Verein ist nicht der Jugendliche, der anderswo weiter Tischtennis spielt.

Der größte Verlust für uns alle wäre der Jugendliche, der irgendwann gar nicht mehr spielt.

Wenn ein junger Mensch eine neue Herausforderung braucht, um seine Freude an unserem Sport zu behalten, dann sollten wir ihm diese Möglichkeit gönnen.

Wenn er stärker werden möchte, sollten wir ihn unterstützen.

Wenn er ausprobieren möchte, wie weit seine Flügel tragen, sollten wir ihm Mut machen.

Denn am Ende sollte unser gemeinsames Ziel nicht lauten:

„Dieser Spieler muss für immer uns gehören.“

Sondern:

„Dieser junge Mensch soll möglichst lange Freude am Tischtennis haben.“

Dann gewinnt nicht nur ein Verein.

Dann gewinnt unser Sport.

Und was ist mit denen, die zurückkommen?

Vielleicht ist das sogar der schönste Gedanke dieser ganzen Geschichte.

Denn junge Vögel verlassen ihr Nest nicht immer für immer.

Manche ziehen hinaus.

Sie sammeln Erfahrungen.

Sie lernen andere Menschen kennen.

Sie sehen andere Hallen und andere Vereine.

Sie gewinnen, verlieren, wachsen und werden älter.

Und irgendwann schauen sie zurück.

Vielleicht führt der berufliche Weg wieder in den Vogelsberg.

Vielleicht möchte man nach einigen Jahren wieder mit alten Freunden zusammenspielen.

Vielleicht wird aus einem jungen Spieler irgendwann ein Vater oder eine Mutter, die mit dem eigenen Kind wieder die Sporthalle betritt.

Oder aus dem früheren Talent wird ein Jugendtrainer, der plötzlich selbst neben einem kleinen Kind steht, das den Ball zum ersten Mal nicht richtig trifft.

Und vielleicht sagt genau dieser Mensch dann:

„Komm, probier es noch einmal.“

Dann schließt sich ein Kreis.

Der junge Vogel, dem irgendwann jemand das Fliegen beigebracht hat, ist zurückgekehrt – und hilft nun dem nächsten dabei, seine Flügel auszubreiten.

Kann es für einen Verein eigentlich etwas Schöneres geben?

Dennis Scholl – zurück ins alte Nest

Und manchmal muss man für die schönste Geschichte tatsächlich nur ein paar Jahre zurückschauen.

Dennis Scholl spielte bereits früher für die TTG Schadenbach. Später führte sein sportlicher Weg zum FSV 1959 Lumda, wo er neue Mannschaftskameraden, andere Gegner und weitere Erfahrungen kennenlernte.

Zur Saison 2025/26 führte der Weg dann wieder zurück zur TTG Schadenbach.

Zurück zu einem Verein, dessen Trikot er schon Jahre zuvor getragen hatte.

Wenn wir davon sprechen, dass junge oder erwachsene „Vögel“ irgendwann wieder in ihr Nest zurückkehren können, dann ist Dennis dafür ein ganz reales Vogelsberger Beispiel.

Er ist hinausgegangen, hat anderswo Tischtennis gespielt – und ist wiedergekommen.

Vielleicht ist genau das die schönste Bestätigung dafür, dass eine Verbindung zu einem Verein auch dann bestehen bleiben kann, wenn man eine Zeit lang einen anderen Weg einschlägt.

Ein gutes Nest muss niemanden festhalten. Es muss nur ein Ort sein, an den man gerne zurückkehrt.

Ein gutes Nest hält nicht fest

Vielleicht sollten wir den Erfolg unserer Nachwuchsarbeit deshalb nicht daran messen, ob jeder Spieler sein ganzes Leben dasselbe Trikot trägt.

Vielleicht ist ein guter Verein vielmehr ein Verein, der jungen Menschen Wurzeln und Flügel gibt.

Wurzeln, damit sie wissen, wo sie herkommen.

Flügel, damit sie entdecken können, was in ihnen steckt.

Ein gutes Nest hält seine jungen Vögel nicht fest.

Es gibt ihnen Sicherheit, solange sie diese brauchen.

Es freut sich über ihre ersten Flügelschläge.

Es schaut vielleicht auch einmal mit etwas Wehmut hinterher, wenn sie weiter hinausfliegen.

Aber vor allem ist es stolz darauf, dass sie fliegen können.

Auch bei den Erwachsenen sind Wege niemals endgültig

Dennis Scholl, Tobias Leitsch, Hendrik Bräutigam und Emil Hintze zeigen auf ganz unterschiedliche Weise, wie vielfältig die Wege auch im Erwachsenenbereich sein können.

Der eine kommt zurück. Der nächste kommt neu hinzu. Andere zieht es aus beruflichen, privaten oder sportlichen Gründen weit über die Grenzen des Vogelsbergs hinaus.

Und hinter jedem dieser Namen steht mehr als eine Zeile in einer Wechselliste.

Da sind Mannschaftskameraden, mit denen man viele Abende in der Halle verbracht hat. Da sind Doppelpartner, Auswärtsfahrten, knappe fünfte Sätze und vielleicht auch Freundschaften, die längst nicht mehr davon abhängen, welches Vereinswappen auf dem Trikot steht.

Deshalb dürfen wir auch bei den Erwachsenen ruhig mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf Veränderungen schauen.

Natürlich verändert ein Wechsel eine Mannschaft. Aber er löscht nicht die gemeinsame Zeit davor aus.

Und während einige fliegen, wachsen schon die Nächsten heran

Das Schöne am Vogelsberger Tischtennis ist:

Während wir über Quentin, Justus, Emil und andere junge Spieler sprechen, stehen längst die nächsten Kinder in unseren Hallen.

Bei der Kreisrangliste Anfang dieses Jahres konnte man sehen, wie viele Namen aus ganz unterschiedlichen Vereinen nachrücken.

Quentin gewann die Jugend 19 vor Julian Gemmer aus Nieder-Ofleiden. Dahinter folgten Leonard Krah aus Angersbach, Maximilian Kinscher aus Heimertshausen, Justus Sorger und Louis Krah aus Angersbach.

In den jüngeren Altersklassen standen wiederum ganz andere Talente vorne.

Heute sind es Namen in Ergebnislisten.

In einigen Jahren könnten es genau die Spieler sein, über deren sportliche Entwicklung wir berichten.

Vielleicht bleibt einer sein ganzes Leben seinem Verein treu.

Vielleicht zieht einer hinaus.

Vielleicht schafft einer den Sprung in deutlich höhere Spielklassen.

Vielleicht kehrt einer nach vielen Jahren zurück.

Wir wissen es nicht.

Und genau darin liegt etwas Schönes.

Ihre Geschichten haben gerade erst begonnen.

Fliegt – aber vergesst euer Nest nicht

Darum möchten wir vor dem Start in die Saison 2026/27 vor allem unseren jungen Spielerinnen und Spielern etwas mit auf den Weg geben:

Breitet eure Flügel aus.

Habt Mut.

Probiert euch aus.

Spielt gegen stärkere Gegner.

Lernt neue Trainer und Mannschaftskameraden kennen.

Sammelt Erfahrungen.

Gewinnt Spiele.

Verliert Spiele.

Steht danach wieder auf.

Und schaut, wie weit eure Flügel euch tragen können.

Aber wenn ihr eines Tages weit draußen in der Tischtenniswelt unterwegs seid, dann erinnert euch vielleicht hin und wieder daran, wo eure Reise angefangen hat.

An die kleine Halle.

An den ersten Trainer.

An die Mannschaftskameraden.

An die Menschen, die euch gefahren, getröstet, angefeuert und unterstützt haben.

Und an den Verein, der euch irgendwann ein Zuhause gegeben hat.

Denn ein gutes Nest erkennt man nicht daran, dass niemals ein Vogel hinausfliegt.

Ein gutes Nest erkennt man daran, dass seine jungen Vögel gerne zurückblicken.

Und das schönste Nest ist vielleicht das, zu dem man eines Tages gerne wieder zurückkehrt.

Deshalb wünschen wir Quentin, Justus, Emil, Hendrik und allen anderen Spielerinnen und Spielern, deren sportlicher Weg sie in dieser Saison an einen neuen Tisch führt, von Herzen alles Gute.

Habt Freude an unserem Sport.

Sammelt Erfahrungen.

Findet euren eigenen Weg.

Und egal, wohin dieser Weg euch irgendwann führt:

Vergesst euer Nest nicht.

Denn im Vogelsberger Tischtennis sollte für euch immer ein Platz frei bleiben.

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